• Blackbelt rules? Mythen und Wahrheiten zum Thema „Schwarzgurt“

    Blackbelt rules? Mythen und Wahrheiten zum Thema „Schwarzgurt“

    Heute möchte ich über ein sehr interessantes Thema schreiben und zwar über die Entstehungsgeschichte und den Mythos „Schwarzgurt“ (Dan).

    Wer von uns kann sich nicht erinnern an unsere Kindheit wo wir Kampfsportfilme geschaut haben und fasziniert waren davon, was der Held auf der Leinwand so für unglaubliche Sprünge, Kicks und sonstige Techniken zusammenbrachte? Natürlich waren das immer Kampfkünstler, die stolz den Schwarzgurt präsentierten und in den Filmen unbesiegbar waren. Nicht mal eine Schar von Gegnern konnte was gegen sie ausrichten!

    Und wer von uns wollte nicht auch Schwarzgurtträger sein und auch mal so cool kämpfen können?

    Aber beginnen wir mal ganz von vorne:

    Wozu diente ursprünglich der Gürtel im Kampfsport?

    Der Gürtel, der meistens 2 Meter lang ist, diente ursprünglich dazu, die Jacke des Keikogi (GI), die vorne offen ist, zuzuhalten. Nicht, wie mancher gerne sagt, um die Hose festzuhalten. Kaikogi ist der japanische Ausdruck für einen Trainingsanzug, der ausschließlich in traditionellen japanischen Kampfkünsten (Budo) verwendet wurde. Wie der GI ist auch der Gürtel in seiner Ursprungsform weiß. Der Gürtel wird zweimal um die Hüfte gewickelt und dann durch einen speziellen Knoten gebunden, der die Jacke dann in der richtigen Position hält.

    Wie kam es dazu, dass der schwarze Gürtel die Kampfsportmeister symbolisiert?

    Es gibt sehr viele Mythen zu dem Thema. Ein sehr verbreiteter Mythos ist, dass durch das jahrelange Training der Gürtel immer schmutziger wurde und so eines Tages schwarz wurde. Natürlich eine sehr schöne Symbolik: nur mit sehr viel Fleiß, Schweiß und auch manchmal Blut kann man es zum Schwarzgurt schaffen.

    Die wahre Geschichte ist sehr viel einfacher: wenn man graduiert wurde, bekam man damals einfach eine Schriftrolle und unabhängig vom Level trugen alle weiterhin den weißen Gürtel.

    Als Jigoro Kano Judo gründete gab es noch keine Unterscheidung zwischen Schüler (kyu) und Meister (Dan). Am Anfang wurde Judo noch im Kimono (traditionelle japanische Kleidung) trainiert. Erst um 1907 führte Kano den GI und den Gürtel (obi), so wie er heute bekannt ist, ein. Damals gab es nur zwei Gürtelfarben: weiß und schwarz.

    Der weiße Gi mit dem weißen Gürtel repräsentiert die Werte der Reinheit, Vermeidung von Ego und Einfachheit. Nach außen hin zeigt er keine Zugehörigkeit zu Gesellschaftsklassen und somit waren alle Schüler im Training gleich.

    Der schwarzen Gürtel mit dem weißen GI steht für Polarität der Gegensätze (yin&yang): Die Schüler beginnen leer und füllen sich mit Wissen. Es ging Kano auch um die Trennung der Anfängern und Fortgeschritten im Training, vor allem um etwaige Verletzungen zu minimieren!

    Welche Gürtelfarben gibt es heutzutage?

    Die Anzahl der Gürtelfarben variiert von Stil zu Stil. Als RFT-Repräsentant und Luta Livre Schwarzgurt werde ich hier auf Luta Livre eingehen.

    In Luta Livre unterscheiden wir 6 Schülergrade und 11 Meistergrade:

    • Weiß-, gelb- und orangefarbige Gürtel sind die Anfängergrade.
    • Blau, violett- und braunfarbige Gürtel sind die Fortgeschrittenengrade.
    • Der schwarze Gürtel repräsentiert dann die Meistergrade: hiervon gibt es 11.

    Wie wird in Luta Livre graduiert?

    Im Luta Livre gibt es keine Prüfungen. Der Trainer beobachtet die Schüler und Schülerinnen beim Techniktraining und beim Sparring (simulierter Kampf). Oft kämpft der Trainer selber mit um sich einerseits selber weiter zu entwickeln (man hört nie auf zu lernen und sich zu entwickeln), aber auch um die Fähigkeiten seiner Schüler und Schülerinnen zu überprüfen. Erst im Sparring lernen die SchülerInnen Timing und Präzision um die gelernten Techniken unter Stress und mit Gegenwehr einzusetzen!

    Auf diesen Beobachtungen basierend entscheidet der Trainer wann er die nächste Graduierung verleihen will.

    Wie wichtig sollte mir der Gürtel sein?

    Auf den Gürtel darf man stolz sein, aber er sollte nicht das Ziel sein!

    Das Ziel sollte die eigene technische, sportliche und moralische Entwicklung im Training sein! Natürlich ist es was Schönes den nächste höheren Gürtel verliehen zu bekommen, weil es auch eine schöne Anerkennung von Mühe und Fleiß ist. Aber am Ende zählt der Spaß, den wir auf unserem Weg haben. Die Erinnerungen an Trainings, wo wir gerockt haben aber auch die Erinnerungen an harte Trainings und Trainingspartner die uns alles abverlangt haben. Einfach all die Erlebnisse und Entwicklungen, die wir erlebt und Herausforderungen die wir geschafft haben. Und dabei ist es egal welche Farbe unser Gürtel trägt: jeder von uns ist auf seine eigene Art und Weise ein Held oder eine Heldin.

    In diesem Sinne: viel Spaß beim Training!

    Euer Bobby

     

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